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Kopfweidenpflege für Landschaft und Natur

Sie sind die Markenzeichen der Elbtalaue: Kopfweiden gehören seit Menschengedenken zum charakteristischen Bild der Elbufergebiete. Doch wegen mangelnder Pflege drohen sie aus der Landschaft zu verschwinden. Deshalb gewährt die Biosphärenreservatsverwaltung finanzielle Unterstützung für Pflegearbeiten an Bäumen in Privateigentum.

Schon aus dem Jahre 1100 v. Chr. stammen erste gesicherte Nachweise über die historische Nutzung von Kopfweiden für Körbe, Fischreusen und Zäune. Auch als Brennmaterial wurde das schnell wachsende Holz der Kopfweiden verwendet. Vermutlich hat die Tradition, Bäume zu köpfen um von den rasch sprießenden Trieben zu profitieren, aber noch viel früher ihren Ursprung.

Heute ist die Kopfweide ein Relikt vergangener Tage, denn ein Bedarf an Weidenzweigen existiert kaum noch. Trotzdem müssen für das Überleben der Bäume noch teure Pflegearbeiten durchgeführt werden, da sie sonst aufgrund ihres eigenen Gewichtes auseinander brechen. So ist es nicht verwunderlich, dass der Bestand dieser Bäume in den letzen Jahren deutlich zurückgegangen ist.

Dennoch stellt die Kopfweide weit mehr als nur einen Kosten verursachenden "Pflegefall" dar. Es kann kaum bestritten werden, dass sie für Ansässige und Touristen gleichermaßen zu einem festen Element der Landschaft und typisch für die Vegetation in den Überschwemmungsgebieten der Elbtalaue geworden ist.

Für den Erhalt der Kopfbäume spricht jedoch nicht nur ihre landschaftsästhetische und kulturhistorische Rolle für die Region. Auch aus Sicht des Naturschutzes sind sie durchaus erhaltenswert. Oft bilden die Weiden bei regelmäßigem Schnitt Hohlräume in ihren Stämmen. Diese bieten hervorragende Brut- und Nistplätze für zahlreiche Vögel, darunter stark gefährdeten Arten wie Hohltaube oder Wiedehopf. Eulen wie z. B. der Steinkauz finden in Kopfweiden ideale Bedingungen vor. Außerdem gewähren die nischenreichen Stämme vielen kleineren Säugetieren, etwa Marder oder Siebenschläfer, Unterschlupf. Im Vergleich zu anderen Bäumen ist auf Kopfweiden eine überdurchschnittlich hohe Artenvielfalt von Insekten anzutreffen. Käfer, Schmetterlinge und Ameisen erwählen sie bevorzugt als Lebensraum. Dazu tragen auch die morschen Stücke Holz bei, die oft in einer Vielzahl im Umkreis des Baumes zu finden sind.

Mit der Pflege von Kopfweiden wird also zum Erhalt eines charakteristischen Landschaftsmerkmals auf der einen und eines vielfältigen Lebensraumes auf der anderen Seite, beigetragen. Nicht zuletzt ist sie aufgrund ihrer Geschichte auch eine Erinnerung an eine uralte Tradition.

Deswegen unterstützt die Biosphärenreservatsverwaltung die Pflege von Kopfweiden in Privateigentum. Ab Oktober 2008 stehen erneut Fördergelder von 25 Euro pro geschnittenen Baum zur Verfügung. Der Schnitt muss im Zeitraum von Oktober bis März erfolgen. Beantragt werden können die Gelder für Bäume im besonders geschützten Gebietsteil C. Weitere Informationen dazu gibt es unter der Telefonnummer (05862) 96730.

Kopfweidenpflege Bildrechte: BRV

Mitarbeiter der Biosphärenreservatsverwaltung bei der Kopfweidenpflege.

Artikel-Informationen

25.02.2008

Ansprechpartner/in:
Klaus-Jürgen Steinhoff

Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue
Am Markt 1
29456 Hitzacker
Tel: 05862-9673-24
Fax: 05862-9673-20

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