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Artenschutzprojekt „Wiesenvögel im Biosphärenreservat“

Brutbestandsförderung durch kooperatives Grünlandmanagement


Hintergrund

Obwohl die Wiesenvögel seit vielen Jahren im Fokus des Naturschutzes stehen, hat ihre anhaltend negative Bestandsentwicklung sowohl in Niedersachsen und Bremen als auch auf bundesdeutscher Ebene inzwischen ein äußerst kritisches Niveau erreicht. Dementsprechend ungünstig fallen sowohl die niedersächsische als auch die nationale Bewertung der Erhaltungszustände und -perspektiven im Rahmen der EU-Berichtspflichten aus. So sind die Bestände von Kiebitz, Uferschnepfe und Bekassine in den vergangenen 30 Jahren um etwa 60% zurückgegangen. Nach dem völligen Verschwinden des einstmals häufigen Kampfläufers aus der Elbtalaue-Region, konnten seit 2012 auch keine regionalen Brutnachweise für die Uferschnepfe erbracht werden. Trotz punktuell erfolgreicher individueller Schutzmaßnahmen auf lokaler Ebene hält der überregional besorgniserregende Bestandsrückgang - insbesondere in den küstenfernen Teilen Niedersachsens - weiterhin an. Es besteht also dringender Handlungsbedarf für den Schutz der Wiesenvögel. Für ihre Erhaltung tragen die Bundesländer Niedersachsen und Bremen eine besondere Verantwortung. Die Schutzbemühungen müssen zeitnah ansetzen und sich parallel auf alle traditionellen Vorkommensgebiete – und damit auch auf den Bereich des Biosphärenreservats "Niedersächsische Elbtalaue" - erstrecken.

Ziel

Im Vorhaben geht es um die nachhaltige Sicherung und Entwicklung der regionalen Wiesenvogel-Vorkommen durch ein Brutbestandsmanagement, in dessen Mittelpunkt die Förderung der Brut- und Aufzuchterfolge durch freiwillige kooperative Vereinbarungen mit landwirtschaftlichen Betrieben über eine zeitlich und räumlich abgestimmte Grünland- und Ackernutzung (für Kiebitze relevant) steht.

Partner

Die saisonale Zusammenarbeit im Wiesenvogelschutz wird gemeinsam von der Biosphärenreservatsverwaltung (Steuerung, Koordiation), den beauftragten avifaunistischen Experten (Brutbestandsmanagement) und den relevanten landwirtschaftlichen Betrieben (Flächenmanagement) getragen.

Zeitrahmen

Das Projekt wird seit dem Jahr 2009 jährlich saisonal durchgeführt. Als Daueraufgabe unterliegt es keiner zeitlichen Begrenzung.

Finanzierung

Das Brutbestandsmanagement wird über die Förderrichtlinie „Spezieller Arten- und Biotopschutz (SAB)“ mit Mitteln des Landes Niedersachsen und der Europäischen Union gefördert. Im Gegensatz dazu erfolgt die finanzielle Förderung der flächenkonkreten Bewirtschaftungsvereinbarungen mit den landwirtschaftlichen Partner ausschließlich aus Landesmitteln (TG 61).

Projektgebiet

Das Projekt- bzw. Betreuungsggebiet erstreckt sich derzeit auf 17 Teilgebiete (im Wesentlichen orientiert an diversen Gebietsteilen C des BR) mit einer Gesamtfläche von über 3.400 ha Gesamtfläche.

Vorgehensweise

Ein gravierendes und wiederkehrendes Problem des Wiesenbrutvogelschutzes im Biosphärenreservat besteht darin, dass die maschinelle Grünlandmahd im Zeitraum von Ende April bis z.T. etwa Ende Juli sowie die Bestellung und Pflege von Ackerflächen im April und Mai (vor allem der Maisanbau) zu einer quantitativ bedeutenden Zerstörung von Wiesenvogel-Gelegen führen können. Vor diesem Hintergrund muss eine nachhaltige Verbesserung der Bruterfolge von Wiesenvögeln im Grün- und Ackerland durch eine beratungsgestützte Abstimmung bzw. ggf. Verschiebung von Mahd- und Bewirtschaftungsterminen sowie des Nutzungsregimes für die relevanten Flächen mit Brutvorkommen angestrebt werden.

Die Brutzeiten bzw. -intervalle bei Wachtelkönig, Wiesenpieper, Braunkehlchen und diversen Wiesenlimikolen kollidieren vielfach mit landwirtschaftlichen Bewirtschaftungserfordernissen bzw. -terminen, so dass eine vorübergehende Nutzungsfreistellung von Gelegestandorten und Flächen für die Führung nicht flügger Küken in der Regel nur unter Einsatz öffentlicher Fördermittel im Sinne eines kleinräumigen Vertragsnaturschutzes realisiert werden kann. In den bekannten Kerngebieten des Wiesenvogelschutzes werden dazu möglichst frühzeitig vertragliche Vereinbarungen über vorübergehende Nutzungs- bzw. Bewirtschaftungsrückstellungen für weitgehend arrondierte Bereiche getroffen.

Die Biosphärenreservatsverwaltung wird von den Betreuern laufend über den aktuellen Bestand balzender und brütender Paare informiert, Einzelheiten zur Entwicklung des Brutgeschehens werden von den jeweiligen Auftragnehmern anlassbezogen berichtet bzw. umgehend weitergeleitet und überwiegend in direkter Rückkopplung mit den jeweiligen Bewirtschaftern abgestimmt. Bewirtschaftungsrelevanten Vereinbarungen werden daraufhin zwischen der Biosphärenreservatsverwaltung und den Bewirtschaftern getroffen.

Grabenanstau zur Wasserrückhaltung in den Dambecker Wiesen

Zur Aufwertung der Lebensraumqualität von Wiesenvogel-Lebensräumen haben Maßnahmen, die einer vorübergehenden, jahreszeitlichen Wasserrückhaltung dienen, eine herausragende Bedeutung. In diesem Zusammenhang bietet es sich etwa an, das Abtrocknen von Wiesensenken nach winterlicher Überstauung bzw. starken Niederschlägen durch den Einbau von regulierbaren Stauanlagen zu verlangsamen. Eine solche Stauanlage wurde Anfang des Jahres 2018 im Röxgraben (Dambecker Wiesen, Dannenberger Marsch) durch die Fa. Siemke & Co. Brücken- & Ingenieurbau GmbH aus Breese in der Marsch gebaut. Das folgende Video hat Dr. Henning Kaiser während der Bauarbeiten erstellt. Es veranschaulicht die wesentlichen Arbeitsschritte.

Video zum Bau der regelbaren Bohlenstauanlage im Röxraben

© Hans-Jürgen Kelm

Braunkehlchen bei Vietze  
Braunkehlchen bei Vietze
Blühende Wiese an der Jeetzel  
Blühende Wiese an der Jeetzel
Der Kiebitz - einer unserer bekanntesten Wiesenvögel  
Der Kiebitz - einer unserer bekanntesten Wiesenvögel

Förderung

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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Henning Kaiser, Dr.

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