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EU-LIFE-Projekt „Auenamphibien - 300 Teiche in Niedersachsen“

Hintergrund

Der Rückgang von Amphibien ist in Zentral- und Nordeuropa besonders gravierend. Vor allem die in Anhang II und IV der FFH-Richtlinie gelisteten Arten sind betroffen. Die Rotbauchunke erreicht im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue den nordwestlichen Rand ihres eurasischen Gesamtverbreitungsgebietes und gilt hier als „vom Aussterben bedroht“. Mehr als 98% der niedersächsischen Population befinden sich im Biosphärenreservat. Doch auch hier ist der Bestand in den letzten Jahren um etwa ein Drittel zurückgegangen. Grund dafür ist der Verlust an geeigneten Lebensräumen: Durch Entwässerung und Eutrophierung wurden temporäre Kleingewässer, Heckenreihen, nährstoffarmes Grünland, extensiv genutztes Weideland und vegetationslose Bereiche immer seltener. Der Sicherung der Rotbauchunken-Population in der Elbtalaue kommt eine große Bedeutung dazu, da sie die Vorkommen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit denen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt vernetzt.

Ziel

Das unter dem Titel „300 Teiche in Niedersachsen“ laufende Projekt hat zum Ziel, in insgesamt 11 Projektgebieten im mittleren und östlichen Niedersachsen nicht nur den Lebensraum für die Rotbauchunke sondern auch für den seltenen Laubfrosch und den Kammmolch durch Neuanlage und Sanierung von Laichgewässern, Landlebensräumen und Winterquartieren zu verbessern und zu entwickeln.

Partner

NABU Niedersachen (Lead Partner), Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue und Amphi Consult International

Zeitrahmen

01.01.2016 bis 31.12.2023

Finanzierung

„EU-LIFE“ ist ein Finanzierungsinstrument der EU zur Förderung von Umweltmaßnahmen. Die EU stellt für das Projekt etwa zwei Drittel der finanziellen Mittel zur Verfügung. Verschiedene Kommunen in den beteiligten Landkreisen (Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Uelzen und Celle), die Städte Braunschweig, Celle und Wolfsburg, die Region Hannover, die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, VW und auch das Land Niedersachsen unterstützen das LIFE-Projekt finanziell.

Projektgebiet

Eines der Projektgebiete umfasst das Biosphärenreservat Elbtalaue mit einer Gebietskulisse von insgesamt ca. 22.000 ha. Schwerpunktraum der Maßnahmen sind darin geeignete Bereiche in der Neuhauser, Dannenberger und Gartower Elbmarsch, wo die besonders seltene Rotbauchunke ihren westlichsten Verbreitungsschwerpunkt hat.

Vorgehensweise

Um eine nachhaltige Verbesserung der Amphibienpopulationen zu erreichen, wird ein Managementplan entwickelt. In den letzten Jahren konnten insbesondere in Amt Neuhaus überwiegend auf landeseigenen Flächen Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes insbesondere der Rotbauchunken umgesetzt werden. Mit dem EU-LIFE-Projekt werden nun auf geeigneten Standorten privater Flächeneigentümer Gewässer für die Rotbauchunke neu angelegt oder saniert. Auch ein Flächenankauf ist möglich. Zu den konkreten Naturschutzmaßnahmen im Projektgebiet „Biosphärenreservat Elbtalaue“ gehören: die Anlage und Sanierung von 110 Kleingewässern, der Bau von 30 km Zäunen sowie die Anlage und der Ankauf von Weidetieren zur Etablierung extensiver Beweidung auf ca. 150 – 350 ha, bevorzugt auf Flächen, die für Naturschutzmaßnahmen entweder von Behörden oder Naturschutzorganisationen erworben wurden. Auch die genetischen Strukturen der Rotbauchunkenpopulationen in Niedersachsen werden als Grundlage für Wiederansiedlungen untersucht. Danach folgt die Aufzucht von 19.200 Rotbauchunken (Bombina bombina) zur Wiederansiedlung und zum Populationsmanagement in wiederhergestellten Lebensräumen. Das Vorhaben wird von Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit, von Vorträgen, Exkursionen und Workshops begleitet. Zusätzlich werden lokale und regionale Netzwerke mit Landbesitzern, Landnutzern, Naturschutzgruppierungen und Behörden zur Weiterführung des Projekts etabliert.

Aktuelle Meldungen

(27.09.18) Zehn neue Gewässer für die Rotbauchunke: zweiter Bauabschnitt innerhalb des Projekts umgesetzt

Im August 2018 entstanden zehn neue Gewässer, welche nun der Rotbauchunke als Laich- und Aufenthaltsgewässer dienen werden. Des Weiteren wurden ein Graben umgestaltet und drei neue Winterquartiere angelegt.

Der Auftrag für den 2. Bauabschnitt im Bereich „Großer und Kleiner See“ in der Gemeinde Amt Neuhaus war bereits im Jahr 2017 an eine regionale Baufirma vergeben worden. Die Umsetzung der Maßnahmen zur Anlage der Gewässer konnte jedoch aufgrund der lang anhaltenden Niederschläge im Sommer und Herbst nicht ausgeführt werden. In diesem Jahr zeigt sich ein völlig anderes Bild. Die extreme Dürre ermöglichte den Start der Baumaßnahmen sowie eine problemlose und schnelle Durchführung.

Nun stehen der Rotbauchunke im neuen Rückzugsgebiet am Großen und Kleinen See insgesamt zwanzig neue und dre sanierte Gewässer zur Verfügung. Ziel ist es, in diesem großräumigen Grünlandgebiet einen attraktiven Lebensraum für diese Art zu schaffen.

Rinder  
Neu angelegtes Kleingewässer wird von Rindern inspiziert (© BRV Nds. Elbtalaue/ H. Karl)
Amphibiengewässer  
Als Amphibiengewässer umgestalteter Graben (© BRV Nds. Elbtalaue/ H. Karl)
Findlingshaufen als Überwinterungsquartier  
Findlingshaufen als Überwinterungsquartier
Anlage eines Amphibienteichs   Bildrechte: BRV Nds. Elbtalaue

Anlage eines Amphibienteichs

Noch ungefülltes Flachgewässer am Großen und Kleinen See (Amt Neuhaus)   Bildrechte: BRV Nds. Elbtalaue

Noch ungefülltes Flachgewässer am Großen und Kleinen See (Amt Neuhaus)

Beweidung am Flachgewässer   Bildrechte: BRV Nds. Elbtalaue

Beweidung am Flachgewässer

Rufende Rotbauchunke   Bildrechte: BRV Nds. Elbtalaue

Rufende Rotbauchunke

Auswilderung von Rotbauchunken   Bildrechte: BRV Nds. Elbtalaue

Auswilderung von Rotbauchunken

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Rebecca Heiligtag

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