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Sonnenbaden in Gartower Eichen

Der Große Heldbock liebt es warm


Ratternde Motorsägen störten im Laufe der Woche die Ruhe in Gartow. Sie ratterten für einen Käfer, der nicht einfach nur so ein Käfer unter Käfern ist. Er benötigt zum Überleben gut besonnte Brutbäume für die derzeit die Biosphärenreservatsverwaltung zusammen mit der Gräflich von Bernstorff`schen Forstverwaltung und der Samtgemeinde sorgt. Dabei werden die Lieblingsbäume des Großen Heldbocks von verschattendem Unterwuchs freigestellt, damit die Sonne wieder besser die Eichenstämme erwärmen kann.

Obwohl er zu den Größten gehört, ist sein Überleben dadurch keineswegs gesichert. Mit der Körpergröße XXL (bis 5 cm) gehört der Große Heldbock zu den größten Käfern Europas. Seine Fühler können sogar die doppelte Körperlänge erreichen. Der Eichenheldbock, wie er auch genannt wird, ist derzeit vom Aussterben bedroht und genießt deshalb den besonderen Schutz des europäischen Naturschutzrechts. Daraus ergibt sich für Deutschland die Verpflichtung, alles für sein dauerhaftes Überleben zu unternehmen.

In ganz Niedersachsen kommt der Große Heldbock nur noch an zwei weit voneinander entfernten Standorten vor. Einer davon befindet sich im Gartower Raum. Hier hat die Art ihr Schwerpunktvorkommen in Alleebäumen, was bei Fachleuten weithin bekannt ist. Die Käferart besiedelt große Alteichen, die in der Regel mindestens 150 Jahre alt sein müssen, damit sie von diesem schwerfälligen Flieger überhaupt angenommen werden. Den größten Teil seines Lebens verbringt der Käfer allerdings als Larve im Baum. Diese Entwicklungszeit im Stamm oder in starken Ästen dauert meistens vier Jahre. In dieser Zeit frisst sich die Larve durch verschiedene Holzschichten und hinterlässt dadurch daumendicke Fraßgänge, die auch von außen leicht zu erkennen sind. Eine vom Käfer gut besiedelte Eiche erinnert den Betrachter eher an einen Schweizer Käse als an eine deutsche Schrankwand. Vorzugsweise halten sich die Larven in den nach Süden gewandten Holzpartien auf, weil es durch das Sonnenlicht hier etwas wärmer ist. Das erwachsene Insekt überlebt schließlich nur wenige Wochen außerhalb des Baumes.

Bereits seit Jahren sorgt sich die Biosphärenreservatsverwaltung um die dauerhafte Erhaltung dieses Käfervorkommens. "Auch wenn der Bestand hier zurzeit noch einigermaßen stabil ist, so kann ein genetischer Austausch mit anderen Populationen des Großen Heldbocks heute schon nicht mehr gewährleistet werden. Das nächste Vorkommen ist in der Nähe von Hannover gelegen und diese Entfernung ist einfach zu weit," weiß Klaus-Jürgen Steinhoff zu berichten. Außerhalb der Elbtalaue fehlen einfach die besonders alten Eichen, weil wir sie umgearbeitet doch so gerne in unseren Wohnzimmern haben.

Auf den Grundstücken der Samtgemeinde Gartow und der Gräflich von Bernstorff’schen Forstverwaltung finden wir sie aber noch, die mehrhundertjährigen Eichen. Für die Holzverarbeitung ist es bei den "befallenen" Bäumen sowieso zu spät. Mit den dicken Fraßgängen sind sie für die Holzwirtschaft quasi entwertet, was für den Waldeigentümer aus ökonomischer Sicht mit deutlichen Wertverlusten verbunden ist.

"Wir sind uns unserer Verantwortung zum Erhalt der biologischen Vielfalt aber sehr wohl bewusst", betont Ulrich von Mirbach, zuständiger Förster in der Gräflich von Bernstorff’schen Forstverwaltung, der neben den ökonomischen auch die ökologischen Belange der Forstwirtschaft fest im Blick hat. "Unsere naturnahe Waldwirtschaft hat dem Eichenheldbock diesen Rückzugsraum bei Gartow überhaupt erst ermöglicht", so von Mirbach zum Erfolg seiner Arbeit.

Die Kosten für die Maßnahme trägt das Niedersächsische Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. "Der Ökonomie wird aber ebenfalls Rechnung getragen", so Lutz Haas von der Samtgemeinde Gartow, "weil das Schnittgut als nachwachsender Rohstoff in eine Hackschnitzelheizung wandert". Für die Durchführung der Arbeiten wurde ein Holz verarbeitender Betrieb im Gartower Raum gefunden, so dass Naturschutz auch zur Arbeitsplatzsicherung beitragen kann.

Klaus Jürgen Steinhoff und Ulrich von Mirbach an einer Eichenheldbock- Eiche Bildrechte: BRV

Klaus Jürgen Steinhoff und Ulrich von Mirbach an einer Eichenheldbock- Eiche

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Anne Spiegel

Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue
Am Markt 1
29456 Hitzacker
Tel: 05862 - 96 73 12
Fax: 05862 - 96 72 20

www.elbtalaue.niedersachsen.de

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