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Die Wege des Rotmilans

Greifvogelberingung in der Biosphärenregion


Wie kann man herausfinden, wie sich Vögel in ihrer Umwelt bewegen, wie sie den Raum, der ihnen zur Verfügung steht, nutzen? Dies zu erforschen, ist nicht einfach, aber es gibt Methoden, die Licht in dieses Geheimnis bringen.

Besonders detaillierte Erkenntnisse gewinnen Vogelkundler dann, wenn sie die Tiere mit Sendern versehen. Da dieser Ansatz aufwendig und teuer ist, eignet er sich nur in Ausnahmefällen. Eine kostengünstige und schon seit rund einhundert Jahren bewährte Methode ist die Beringung. Dazu müssen die Vögel gefangen und am Bein mit einem sehr leichten Ring, durch den sie nicht beeinträchtigt werden, versehen werden. Die Raumnutzung der Tiere kann durch das Ablesen der Ringe bei Wiederfängen oder Totfunden bestimmt werden. An den Ringen von großen Vögeln, wie etwa Schwänen und Störchen, kann man die eingravierten Nummern sogar mit dem Fernglas oder Spektiv erkennen.

Junge Greifvögel lassen sich besonders gut beringen, wenn sie noch flugunfähig im Horst sitzen – wie in diesem Frühjahr bei etwa 20 jungen Rotmilanen in der Biosphärenregion durch den Ökologen und Baumkletterer Falk Dahms in Zusammenarbeit mit dem Förster und Beringer der Vogelwarte Helgoland Hans-Jürgen Kelm.

Bei Totfunden lassen sich anhand der Ringe Alter, Zugweg und Todesursachen festhalten. Der älteste beringte Rotmilan wurde knapp 30 Jahre alt. Mitteleuropäische Rotmilane überwintern größtenteils in Frankreich und Spanien. In den letzten Jahren kommt es jedoch immer häufiger vor, dass einzelne Exemplare den Winter in der Elbtalaue verbringen, speziell in Jahren mit hohen Feldmausbeständen wie 2014 und 2015.

Auf natürlichem Wege kommen Rotmilane oft durch den Nahrungsmangel in langen, kalten und schneereichen Wintern zu Tode beziehungsweise durch den Uhu oder Habicht als Teil seiner Beute. Viele werden auch illegal während ihres Zuges nach Süden abgeschossen oder sterben, wenn sie sich durch absichtlich ausgelegte Köder oder durch die Aufnahme von bleihaltigen Resten bei der Jagd erlegter Tiere vergiften. Eine erhebliche Gefährdung stellen auch Windenergieanlagen dar. Mit über 300 in Deutschland nachgewiesenen Fällen sind sie nach dem Mäusebussard die am häufigsten dokumentierten Schlagopfer. Die Kartierung der Brutvögel ist daher auch ein wichtiger Bestandteil des Genehmigungsverfahrens dieser Anlagen.

Der Rotmilan ist nach der EU-Vogelschutzrichtlinie eine besonders geschützte und im Vogelschutzgebiet Niedersächsische Mittelelbe eine „wertbestimmende“ Art. In den Vogelschutzgebieten werden im Turnus von etwa sechs Jahren Brutvogelkartierungen durchgeführt. Hierbei werden auch die Horstbäume der Milane erfasst. Das Biosphärenreservat ist mit mindestens 65 Brutpaaren einer der landesweit wichtigsten Lebensräume dieser Art. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hat nach dem Landkreis Göttingen die zweithöchste Siedlungsdichte des Rotmilans in Niedersachsen. Wichtige Lebensräume befinden sich auch in der Lüneburger Elbmarsch und im Amt Neuhaus. Rotmilane sind Vögel der Offenlandschaft. Sie brüten gerne an Waldrändern auf hohen Bäumen. Als reviertreue Art patrouillieren sie in langsam kreisendem Flug über Wiesen, Felder und Gewässer auf der Suche nach Mäusen, Aas oder toten Fischen. Häufig begleiten sie den Landwirt bei der Bestellung und Ernte von Wiesen und Feldern, um Mahdopfer sowie Insekten, Mäuse und Regenwürmer aufzulesen.

Jetzt wünschen wir uns, dass die in diesem Jahr beringten Rotmilane ein hohes Alter erreichen und sich in der Biosphärenregion erfolgreich fortpflanzen werden.
Hans-Jürgen Kelm und Falk Dahms in Vorbereitung der Beringung Bildrechte: Anne Spiegel

Hans-Jürgen Kelm und Falk Dahms in Vorbereitung der Beringung

Am Bein des Rotmilans wird ein leichter, nummerierter Aluminiumring befestigt. Bildrechte: Falk Dahms

Am Bein des Rotmilans wird ein leichter, nummerierter Aluminiumring befestigt.

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